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KI Grundlagen

Präsentationen und Vorträge vorbereiten

Sebastian Rydz19. Dezember 202511 min Lesezeit

Wenn die Folien stehen, aber die Worte fehlen

Stell dir vor, du sitzt am Sonntagabend vor deinem Laptop. Am Dienstag sollst du im Team-Meeting eine Präsentation halten. 20 Minuten, Fachthema, vor Kolleginnen und Kollegen, die sich auskennen. Die Folien hast du irgendwie zusammengestellt. Zahlen, Diagramme, Stichpunkte. Aber wenn du ehrlich bist: Dir fehlt der rote Faden. Du weißt nicht, wie du anfangen sollst. Du weißt nicht, wie du enden sollst. Und der Gedanke an die Fragerunde am Schluss macht dir ein flaues Gefühl im Magen.

Das kennen viele. Nicht nur Berufseinsteiger, sondern auch erfahrene Fachleute. Denn das Problem ist selten das fehlende Wissen. Das Problem ist die Aufbereitung. Wie bringe ich mein Thema so auf den Punkt, dass andere es verstehen, behalten und vielleicht sogar spannend finden?

Dabei scheitern die meisten Präsentationen nicht am Inhalt. Sie scheitern an der Struktur, an einem schwachen Einstieg, an Folien voller Text, die niemand lesen will, oder an einer Fragerunde, auf die niemand vorbereitet war. Das sind Probleme, die sich lösen lassen. Und zwar erstaunlich einfach.

Die gute Nachricht vorweg: Du musst dafür kein Rhetorik-Seminar besuchen und keinen Präsentationscoach buchen. KI kann dir bei jedem einzelnen Schritt helfen. Vom ersten Brainstorming über die Gliederung bis zum letzten Satz deines Vortrags. Nicht als Ersatz für deine Expertise, sondern als Sparringspartner, der dir hilft, das Beste daraus zu machen. Genau darum geht es in diesem Artikel.

Gliederung und roter Faden: Das Fundament jeder Präsentation

Jede gute Präsentation beginnt mit einer klaren Struktur. Nicht mit hübschen Folien, nicht mit Animationen, sondern mit der Frage: Was soll mein Publikum am Ende mitnehmen? Wenn du diese Frage nicht beantworten kannst, wird auch die schönste PowerPoint nichts retten.

Hier zeigt KI eine ihrer größten Stärken. Du beschreibst dein Thema, dein Publikum und deinen Zeitrahmen, und die KI entwickelt daraus eine logische Gliederung mit einem klaren roten Faden. Ein konkretes Beispiel: Du gibst ein: „Ich halte eine 20-Minuten-Präsentation zum Thema Nachhaltigkeit in unserer Lieferkette. Mein Publikum sind Führungskräfte ohne technischen Hintergrund. Entwickle mir eine Gliederung mit rotem Faden, die das Thema verständlich macht und zum Handeln motiviert.“

Die KI liefert dir daraufhin eine Struktur: Einstieg mit einer überraschenden Zahl, Problemdarstellung, drei konkrete Handlungsfelder, Erfolgsbeispiel, Abschluss mit klarem Appell. Das ist kein fertiger Vortrag, aber ein Gerüst, an dem du dich entlanghangeln kannst.

Besonders hilfreich: Du kannst die KI bitten, verschiedene Strukturvarianten zu liefern. „Zeig mir drei verschiedene Gliederungen für das gleiche Thema: einmal chronologisch, einmal problemlösungsorientiert und einmal als Storytelling-Ansatz.“ So erkennst du, welche Struktur am besten zu deinem Thema und deinem Stil passt.

Ein häufiger Fehler bei Präsentationen ist das Überladen mit Inhalten. Auch hier hilft die KI: „Ich habe 15 Punkte, die ich ansprechen möchte, aber nur 15 Minuten Zeit. Hilf mir, die fünf wichtigsten auszuwählen und den Rest als Backup für die Fragerunde zu organisieren.“ Die KI priorisiert für dich und schlägt vor, was auf die Folien gehört und was du als Reserve in der Hinterhand behältst.

Sprechertexte und Stichpunktkarten: Frei reden mit Sicherheitsnetz

Es gibt zwei Extreme beim Präsentieren. Entweder man liest alles vom Blatt ab, was das Publikum einschläfert. Oder man redet komplett frei, was zu Versprechern, Abschweifungen und Zeitproblemen führt. Die goldene Mitte sind gut vorbereitete Stichpunktkarten oder Sprechernotizen.

KI kann dir beides erstellen. Für jede Folie oder jeden Abschnitt deiner Präsentation kannst du dir einen kurzen Sprechertext generieren lassen. Das ist besonders nützlich, wenn du die Übergänge zwischen den Abschnitten üben willst. Denn genau dort stolpern die meisten Vortragenden.

Probier mal diesen Prompt: „Hier ist meine Gliederung: [deine Gliederung einfügen]. Erstelle mir für jeden Abschnitt Stichpunktkarten mit drei bis fünf Kernaussagen und einem Übergangssatz zum nächsten Abschnitt.“ Du bekommst kompakte Karten, die du ausdrucken oder auf dein Tablet laden kannst. Genug Information, um den Faden nicht zu verlieren, aber wenig genug, um nicht abzulesen.

Für den kompletten Sprechertext fragst du: „Schreibe mir einen Sprechertext für den Abschnitt über Kosteneinsparungen. Ton: sachlich, aber motivierend. Dauer: etwa drei Minuten. Verwende kurze Sätze, die sich gut laut sprechen lassen.“ Der letzte Punkt ist wichtig: Gesprochene Sprache folgt anderen Regeln als geschriebene. Die KI kann das berücksichtigen, wenn du sie darum bittest.

Ein praktischer Tipp: Lies den generierten Sprechertext laut vor. Was sich beim Lesen gut anfühlt, kann beim Sprechen holprig klingen. Bitte die KI, schwierige Stellen umzuformulieren: „Dieser Satz ist zu lang zum Sprechen. Mach zwei kürzere daraus.“

Kompliziertes einfach erklären: Dein Publikum mitnehmen

Eine der größten Herausforderungen bei Fachvorträgen: Du kennst dein Thema in- und auswendig, aber dein Publikum nicht. Was für dich selbstverständlich ist, kann für andere ein Buch mit sieben Siegeln sein. Und nichts ist ermüdender als ein Vortrag, dem man nicht folgen kann.

KI ist hervorragend darin, komplexe Sachverhalte in einfache Sprache zu übersetzen. Du gibst ihr den Fachinhalt, und sie liefert dir eine Version, die auch Nicht-Experten verstehen. Ein Beispiel: „Erkläre das Konzept der agilen Softwareentwicklung so, dass es ein Vertriebsteam ohne IT-Hintergrund versteht. Nutze eine Analogie aus dem Alltag.“

Die KI könnte dann vergleichen: Agile Entwicklung ist wie Kochen ohne starres Rezept. Du probierst nach jedem Schritt, passt die Gewürze an und reagierst darauf, was gerade auf dem Herd passiert, statt stur einem Plan zu folgen, der am Ende vielleicht nicht schmeckt. Solche Bilder machen abstrakte Konzepte greifbar.

Du kannst die KI auch bitten, für verschiedene Zielgruppen zu formulieren: „Erkläre mir Blockchain einmal für Finanzexperten und einmal für Berufsschüler.“ So findest du die richtige Ebene für dein konkretes Publikum. Und wenn du in deiner Präsentation Fachbegriffe verwenden musst, lass dir von der KI eine kurze, einprägsame Definition erstellen, die du auf eine Folie setzen kannst.

Ein besonders wirksamer Trick: Bitte die KI, dir für einen komplexen Sachverhalt gleich drei verschiedene Analogien zu liefern. „Erkläre mir das Prinzip der Diversifikation bei Geldanlagen mit drei verschiedenen Alltagsvergleichen.“ Du wählst dann die Analogie, die dein Publikum am besten abholt. Denn was für eine Gruppe sofort einleuchtet, kann für eine andere völlig an der Realität vorbeigehen.

Der Punkt ist: Einfach erklären bedeutet nicht, Inhalte zu verwässern. Es bedeutet, den Zugang zu erleichtern. Und genau dabei ist KI ein erstklassiger Helfer.

Fragen des Publikums antizipieren: Vorbereitet statt überrumpelt

Die Fragerunde nach einer Präsentation ist der Moment, vor dem sich viele am meisten fürchten. Was, wenn jemand eine Frage stellt, auf die du keine Antwort hast? Was, wenn jemand deine Zahlen infrage stellt? Was, wenn du ins Stocken gerätst?

Die beste Verteidigung ist Vorbereitung. Und KI kann dir dabei helfen, mögliche Fragen vorherzusehen. Gib der KI deine Präsentationsinhalte und bitte sie: „Welche kritischen Fragen könnte ein skeptisches Fachpublikum zu dieser Präsentation stellen? Liste mir die zehn wahrscheinlichsten Fragen auf und schlage jeweils eine kurze, souveräne Antwort vor.“

Das Ergebnis ist wie ein persönliches Frage-Antwort-Training. Du bekommst nicht nur die Fragen, sondern auch Formulierungsvorschläge für deine Antworten. Das gibt dir Sicherheit, selbst wenn am Ende ganz andere Fragen kommen. Denn allein die Übung, dich mit möglichen Einwänden auseinanderzusetzen, macht dich souveräner.

Du kannst noch einen Schritt weiter gehen: „Stell dir vor, im Publikum sitzt ein Finanzvorstand, der vor allem die Kosten im Blick hat. Welche Fragen wird er stellen?“ Oder: „Welche Fragen stellt jemand, der dem Projekt grundsätzlich skeptisch gegenübersteht?“ So bereitest du dich gezielt auf verschiedene Perspektiven vor.

Ein weiterer Trick: Bitte die KI, dir bei jeder Frage zu markieren, ob du sie direkt beantworten kannst oder ob du auf weiterführende Unterlagen verweisen solltest. So weißt du genau, wo deine Vorbereitung stark ist und wo du nachlegen musst.

Und falls doch eine Frage kommt, die du nicht beantworten kannst? Auch dafür hilft Vorbereitung. Lass dir von der KI drei höfliche Formulierungen geben, mit denen du souverän reagierst, wenn du keine Antwort parat hast. Zum Beispiel: „Das ist ein wichtiger Punkt. Dazu möchte ich Ihnen nach dem Meeting eine fundierte Antwort liefern.“ Solche Sätze klingen vorbereitet, nicht ausweichend.

Einstieg und Schluss, die im Kopf bleiben

Studien zeigen, dass Menschen sich vor allem an den Anfang und das Ende einer Präsentation erinnern. Alles dazwischen verschwimmt oft. Das bedeutet: Wenn du einen starken Einstieg und einen einprägsamen Schluss hast, bleibt deine gesamte Präsentation besser in Erinnerung.

Trotzdem fangen die meisten Vorträge mit „Hallo, mein Name ist, und heute spreche ich über“ an. Und enden mit „Vielen Dank, gibt es noch Fragen?“ Das ist nicht schlecht, aber es ist eine verpasste Chance.

KI kann dir helfen, wirkungsvolle Einstiege zu entwickeln. Probier diesen Prompt: „Ich halte einen Vortrag über Datensicherheit im Mittelstand. Gib mir fünf verschiedene Einstiegsvarianten: eine mit einer überraschenden Statistik, eine mit einer persönlichen Geschichte, eine mit einer provokanten Frage, eine mit einem Zitat und eine mit einem konkreten Szenario.“ Du wählst die Variante, die am besten zu dir und deinem Publikum passt.

Für den Schluss gilt das Gleiche. Statt einfach aufzuhören, kannst du mit einem klaren Appell, einer Zusammenfassung in einem Satz oder einer Rückbeziehung zum Einstieg enden. Frag die KI: „Formuliere mir einen Schluss, der den Bogen zum Einstieg schlägt und das Publikum mit einem konkreten nächsten Schritt entlässt.“

Noch ein Tipp für den Schluss: Vermeide es, dich am Ende zu entschuldigen oder abzuschwächen. Sätze wie „Ich hoffe, das war einigermaßen verständlich“ zerstören den Eindruck, den du gerade aufgebaut hast. Schließe stattdessen mit Überzeugung. Die KI kann dir helfen, selbstbewusste Schlusssätze zu formulieren, die zu deinem Stil passen.

Ein Beispiel: Wenn du mit der Frage „Was würden Sie tun, wenn morgen alle Kundendaten verschwinden?“ eröffnest, könntest du schließen mit: „Sie wissen jetzt, was zu tun ist, damit diese Frage nie Realität wird. Der erste Schritt steht auf Folie 12. Fangen Sie heute damit an.“ Solche Klammern geben deinem Vortrag eine professionelle Geschlossenheit.

Praktische Übung: Eine 15-Minuten-Präsentation strukturieren

Jetzt wird es konkret. In dieser Übung nutzt du KI, um eine vollständige 15-Minuten-Präsentation zu einem Fachthema deiner Wahl zu strukturieren. Vom Einstieg über die Gliederung bis zum Schluss.

Schritt 1: Öffne den Promptgenerator
Gehe auf optiprompt.io und wähle die Kategorie LLM. Nutze zunächst die Variante Strukturiert für die Gliederung.

Schritt 2: Beschreibe dein Thema und Publikum
Gib zum Beispiel ein: „Ich muss eine 15-Minuten-Präsentation zum Thema Zeitmanagement im Team halten. Mein Publikum sind Teamleiter in einem mittelständischen Unternehmen. Erstelle mir eine klare Gliederung mit rotem Faden, Zeitangaben für jeden Abschnitt und drei Kernbotschaften.“

Schritt 3: Generiere den Prompt und setze ihn ein
Kopiere den generierten Prompt in ChatGPT, Claude oder ein anderes KI-Tool. Prüfe die Gliederung: Ist der rote Faden erkennbar? Passen die Zeitangaben? Fehlt etwas Wichtiges?

Schritt 4: Wechsle zur Variante Kreativ für den Einstieg
Gehe zurück zum Promptgenerator und wähle die Variante Kreativ. Gib ein: „Entwickle einen überraschenden Einstieg für eine Präsentation über Zeitmanagement im Team. Der Einstieg soll neugierig machen und maximal 90 Sekunden dauern.“

Schritt 5: Baue alles zusammen
Kombiniere die strukturierte Gliederung mit dem kreativen Einstieg. Lass dir von der KI Stichpunktkarten für jeden Abschnitt erstellen und fünf mögliche Publikumsfragen generieren.

Reflexion: Wie hat sich der Unterschied zwischen der strukturierten und der kreativen Variante angefühlt? Welche Gliederung würdest du tatsächlich verwenden? Hast du durch die Publikumsfragen Lücken in deiner Vorbereitung entdeckt? Diese Kombination aus Struktur und Kreativität ist der Schlüssel zu überzeugenden Vorträgen.

Fazit: Dein nächster Vortrag wird ein anderer

Du weißt jetzt, wie du KI als Präsentationscoach einsetzen kannst. Du kannst dir eine klare Gliederung mit rotem Faden entwickeln lassen, Sprechertexte und Stichpunktkarten erstellen, komplexe Themen in einfache Sprache übersetzen, Publikumsfragen antizipieren und einen Einstieg formulieren, der im Kopf bleibt.

Das Entscheidende: Die KI nimmt dir das Präsentieren nicht ab. Sie nimmt dir die Angst vor der Vorbereitung. Und wer gut vorbereitet ist, tritt sicherer auf, spricht freier und überzeugt mehr.

Im nächsten Artikel „Kundenservice und Kommunikation“ zeigen wir dir, wie du KI nutzt, um professionell und empathisch mit Kunden zu kommunizieren. Von der Anfragebeantwortung bis zum Beschwerdemanagement.

Bis dahin: Nimm dir deine nächste Präsentation vor. Lass dir eine Gliederung erstellen, probiere verschiedene Einstiege und bereite dich auf die Fragen deines Publikums vor. Du wirst den Unterschied merken. Nicht auf den Folien, sondern in deiner Sicherheit beim Vortragen.

Autor

Sebastian Rydz

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